Offene Beziehung
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Offene Beziehung

Die offene Beziehung. Es klingt wie der Himmel auf Erden. Man hat die Vorteile einer festen Beziehung. Kann kuscheln. Ausflüge machen. Die Zeit zu zweit genießen. Und außerdem auch noch – nach Absprache – ein wenig Singledasein ergattern. Aber ist wirklich alles eitle Wonne in einem derartigen Beziehungskonstrukt? Oder steckt vielleicht sogar mehr dahinter?

In diesem Beitrag werde ich dir erzählen, wie ich aktuell meine offene Beziehung/Ehe mit meinem Mann handhabe, welche Tücken es gegeben hat und noch gibt und wie wir mit Rückschlägen umgehen.

Moment mal. Du? Offene Beziehung? Wie kam es dazu?

Wie es zu unserer offenen Beziehung kam, habe ich dir am Anfang schon einmal ausführlich geschrieben. Hier kannst du dir den Artikel nochmal durchlesen.

OB, was steckt dahinter?

Was man unter einer offenen Beziehung versteht, muss, denke ich, jeder selbst für sich entscheiden. Die Grundidee hinter der offenen Beziehung ist, sich innerhalb einer Beziehung zu bewegen und gleichzeitig die Chance zu haben, andere zu daten. Und natürlich auch mit ihnen zu schlafen. Es gibt unterschiedliche Modelle. Es gibt z.B. Polyamorie, wo man mehrere feste Partner hat. Es gibt Paare, die zwar mit anderen schlafen, aber das nur gemeinsam tun (Paartreffen). Oder es gibt auch Leute, die sich alleine mit anderen treffen.

Unabhängiges Zusammensein – es gibt kein richtig oder falsch

Bei einer offenen Beziehung gibt es kein richtig oder falsch. Es gibt nur den Weg, der für die zwei liebenden Turteltauben richtig ist. Auch bei uns hat es viel Herumprobieren gegeben, bis wir für uns herausgefunden haben, was klappt. Aktuell sind wir auf der „Wir treffen nur Paare Schiene“. Das bedeutet, dass ich und mein Mann uns ausschließlich mit anderen Paaren treffen und mit ihnen Sex haben. Alleingänge gibt es aktuell nicht. Das kann sich aber genauso gut wieder in einem Jahr ändern. Wichtig ist nur, dass man sich dabei wohlfühlt. Und dass es für beide Seiten passt.

Es gibt keinen typischen Ablauf und keine gängigen Regeln

Fakt ist: Es gibt so wenig einen typischen Ablauf, wie es eine A-typische offene Beziehung gibt. Wenn du dir also Tipps über die allerorts gängigen Regeln erhofft hast, muss ich dich enttäuschen. Ich kann dir aber mitgeben, wir wir es handhaben und gehandhabt haben. In unserer Single-Bums Phase haben wir uns allerdings eine Art „Regelwerk“ zurecht gelegt. Das ganze, um uns beide und unsere Beziehung zu schützen. Wir wollen ja schließlich langfristig zusammenbleiben. Und uns nicht in jemanden verlieben.

Bei Alleine-Treffen gab es Absprachen

Wenn wir gemerkt haben, dass sich da ein Treffen anbahnt, haben wir das dem anderen auch offen gesagt. Transparenz war und ist uns auch noch heute besonders wichtig. Es braucht Vertrauen. Und gute Kommunikation. Ohne das, könnten – zumindest wir – das Konstrukt der offenen Beziehung nicht aufrecht erhalten. Denn was wäre, wenn man dem anderen etwas verheimlicht? Richtig. Dann läuft es schließlich und endlich doch wieder auf betrügen aus. So zumindest unsere Ansicht. In der Single-Bums Phase haben wir also gemeinsam miteinander gesprochen, ob das Treffen für den anderen okay ist. Denn das letzte, was wir wollten, war Eifersucht. Und es gibt immer Phasen, an denen man den Partner nicht teilen möchte. Gerade bei mir ist und war es in der letzten Phase meines Zyklus immer sehr schwierig, ihn gehen zu lassen. Da wollte ich ihn immer für mich alleine haben. Gemeinsam eingekuschelt in eine Decke, mit einem Film am Fernseher. Seit wir das beide wissen, gibt es die Treffen jeglicher Art eben in der ersten Hälfte meines Zyklus.

Der Tag des Treffens

Wenn der Tag X gekommen war. Ich oder er uns mit jemand anderen getroffen haben, gab es kurz davor noch eine Meldung. Ein kurzes: „Hey, es ist alles okay“. Wenn bei mir das Treffen beendet war, kam dann bei der Heimfahrt nochmal ein SMS. Einfach, um zu sagen, es geht mir gut. Mir ist nichts passiert. Auch wenn ich nicht schwarz malen möchte. Aber man weiß ja schließlich nie. Wenn ich heimgekommen bin, bin ich kurz zum Liebsten gegangen. Habe ihn begrüßt und ihm einen kurzen Kuss gegeben. Danach bin ich erstmal duschen gegangen. Ich fände es sonderbar, mich mit dem Schweiß des anderen in das gemeinsame Bett zu legen. Danach haben wir meistens noch ein wenig getratscht und uns ausgetauscht. Ich habe ihm ungefähr gesagt, wie es abgelaufen ist. ABER: Ich habe ihm niemals jedes Detail verraten. Das haben wir anfangs immer so gemacht. Dann kam oft Eifersucht oder ein ungutes Gefühl. Gerade dann, wenn man BDSM Praktiken gemacht hat. Oder es einen krassen Ort gegeben hat, wo man es getrieben hat. Für uns war die bessere Lösung, es einfach bei einem netten Treffen zu belassen. Schließlich zählte nicht nur die Eifersucht. Sondern auch ein wenig die Privatsphäre.

Wenn Paare, Paare treffen

Wenn wir Paare treffen, läuft es wiederum anders ab. Hier schreiben wir beide mit dem anderen Paar. Lassen uns Fotos schicken. Eventuell wird auch noch geskyped. Was uns aber besonders wichtig ist, dass uns die beiden anderen auch tatsächlich optisch zusagen. Und das zu zumindest 80%. Was für eine oberflächliche Einstellung? Ja, das klingt jetzt komisch. Aber wenn man bedenkt, dass die offene Beziehung ja auch dazu da ist, Spaß zu haben, macht das Sinn.

Die 80% Regel

Die Regel entstand ursprünglich daraus, dass wir mit zwei Paaren ein Treffen hatten, das dann zum Sex geführt hat. Gerade zu unseren Anfängen waren wir gutmütig. Wir wollten etwas ausprobieren. Also schliefen wir mit den Paaren, obwohl uns beide Teile davon nicht wirklich zugesagt haben. Es kam, wie es kommen musste. Mein Mr. Right hatte zumindest etwas seinen Spaß. Ich machte während des Sex mit dem anderen eine To Do Liste für den nächsten Tag im Büro. Zum Glück dauerte das Prozedere nicht wirklich lange. Das Ergebnis war oft Frust bei uns beiden. Ich hielt ihm vor, dass er seinen Spaß hatte. Er hielt mir vor, warum ich es nicht vorher abgebrochen habe. Aus diesem Grund gibt es die 80% Regel. Doch nicht mehr so seltsam, was?

Kommunikation ist wichtig

Aber auch wenn wir zwei treffen, die uns zusagen. Hinterher wird natürlich immer miteinander gesprochen. Darüber, ob wir die zwei nochmal treffen. Ob jeder gekommen ist. Ob man sich dabei wohl gefühlt hat. Danach geben wir den anderen beiden auch ein kurzes Feedback. Das sind wir ihnen schuldig. Auch wenn es nicht immer leicht ist, ihm zu sagen, dass seine Lecktechnik nicht die beste ist. Aber wenn, wir es ihnen nicht sagen, wer dann? Nur die wenigsten besitzen diesen Anstand. Im Endeffekt sind uns die Leute dankbar. Dankbar dafür, dass wir ehrlich waren. Und uns nochmal gemeldet haben.

Jeder muss selbst entscheiden

Vielleicht hast du auch eine offene Beziehung und findest unsere Art und Weise seltsam. Mag sein. Für uns hat sich diese Verfahrensweise aber als sehr gut entpuppt. Was natürlich nicht bedeuten muss, dass es auch für dich passt. Aber ich denke, du kannst dir den Ablauf jetzt besser vorstellen. Und wie man das Modell handhaben kann. Und merke dir eines: Wenn es für dich und deinen Partner/deine Partnerin okay ist, dann ist es das auch. Es gibt kein richtig oder falsch.

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Autorin des Artikels: Sabrina

Ich mag es, über sexuelle Freiheit und Tabuisierungen zu sprechen. Ich gebe gerne meine Meinung weiter und versuche Menschen zu helfen, indem ich ihnen Sex außerhalb ihres eigenen Schlafzimmers zeige. Echt. Ungeschönt. Und mit ganz viel Humor.

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