Goldspirale
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Goldspirale oder Pille – Was ist besser?

Ich für meinen Teil verhüte seit 2018 hormonfrei, habe aber davor fast 10 Jahre die Pille genommen. Grund genug, einmal ein Fazit über meine Erfahrungen von Pille und Goldspirale zu ziehen und dem Thema einen Blogbeitrag zu widmen.

Bevor du anfängst noch folgende Infos:

Die Pille sowie das Verhütungskettchen und die Spirale gehören zu den Empfängnisverhütungen. Das bedeutet, sie schützen zuverlässig vor einer Schwangerschaft.

Die Pille (auch: Antibabypille) gehört zu den hormonellen Verhütungsmitteln für die Frau bzw. alle, die Babys gebären können. Die Pille wird als Tablette (orales Kontrazeptivum) eingenommen. Die enthaltenen Geschlechshormone verhindern den natürlichen Menstruationszyklus und so eine Schwangerschaft (netdoktor.de).

Die (Gold-) Spirale gehört zur Gruppe der Intrauterinpessare. Das bedeutet, dass es sich um ein Verhütungsmittel handelt, das über mehrere Jahre im Körper (der Gebärmutter) bleibt. Bei der Spirale wird eine Schwangerschaft dadurch verhindert, dass freigesetzte (Kupfer-) Ionen die Beweglichkeit der Spermien und die Einnistung in eine Eizelle verhindern. Die Kommunikation zwischen Eizelle und Spermien wird somit gestört und die Spermien finden nicht zur Eizelle, was eine Schwangerschaft verhindert (netdoktor.at). Grundsätzlich ist es möglich, die Goldspirale unbegrenzt im Körper zu lassen, allerdings kann es im Laufe der Zeit zu Korrisionen und Abnützungen kommen, weshalb die Spirale in den meisten Fällen alle 5-10 Jahre ausgetauscht wird.

Warum habe ich mich überhaupt für eine hormonfreie Verhütung entschieden?

Ich weiß nicht mehr genau, wann es war. Aber ich hatte ein Youtube Video gesehen, zum Thema Verhütung und hormonfrei sein. Die Youtuberin hatte davon gesprochen, dass sie die Pille abgesetzt hat und sich nun ganz anders fühlt. Jaja, dachte ich mir zu diesem Zeitpunkt. Na klar. Weil man sich ja auch durch das Absetzen der Pille besser fühlt. Und dann kam der Tag. An dem ich irrsinnige Krämpfe in den Waden hatte. Magnesiummangel plädierte ich zuerst. Dann las ich mich aber doch ein wenig ein und informierte mich über die Nebenwirkungen meiner Pille. Wenige Stunden und eine Litanei an Informationen später, war ich dann endlich ein wenig schlauer. Die Pille hatte mega Nebenwirkungen. Von Gewichtszunahme, über Wassereinlagerungen, Kopfschmerzen bis hin zu Krämpfen in den Waden und quasi nichtvorhandener Libido war alles dabei. Puh! Da setzte es mich aber mal auf meinen Allerwehrtesten. Ich überlegte, wie es mir in den letzten Monaten gegangen war. Ich hatte immer wieder Krämpfe in den Beinen, hatte plötzlich auftretende Kopfschmerzen und ich wusste nicht, woher. Und vor allem: Ich hatte überhaupt keine Lust auf Sex. Was noch dazu kam war, dass ich ständig schlecht gelaunt war oder den Tränen nahe, obwohl ich gerade einen ganz normalen Tag erlebt hatte. Ich hätte teils sofort heulen können. Auf der Straße. In der U-Bahn. Ganz ohne Grund. Teils hatte ich Tage, die an mir vorbeizogen, ohne dass ich sie ganz wahrnahm. Das war der Moment, an dem ich beschloss, die Pille abzusetzen.

Ich und die Pille

Doch bevor ich jetzt dann nur noch über meine Zeit mit der Spirale spreche, noch ein paar Insights über die Pille. Wie gesagt habe ich fast 10 Jahre lang die Pille genommen. Ich begann mit Ende 13/Anfang 14 aus „Hautgründen“ mit der Pille. Ich hatte damals Probleme mit Pickeln in der Pubertät, also verschrieb mir mein Frauenarzt damals die Pille. Von dort an nahm ich die Pille wie Gummibärchen. Pünktlich um 20 Uhr stopfte ich mir die kleinen Dinger mit etwas Wasser (manchmal auch Alkohol) in den Mund und schluckte brav herunter. Jeden Tag. Dann kam immer eine 7 Tägige Pillenpause dazwischen. Die Abbruchblutung (wenn man die Pille nimmt, hat man keine „normale“ Menstruationsblutung, sondern eine sogenannte Abbruchblutung, die durch das Absetzen der Hormone entsteht). Als Jugendliche fand ich es toll, meine Tage selbst bestimmen zu können. Noch dazu hatte ich die Möglichkeit, die Pille Monatelang durchzunehmen, ohne Pause. Wenn es „gut ging“ hatte ich teils 4-5 Monate keine Blutung. Ich vermisste sie auch, ehrlich gesagt nicht sonderlich. Ich war frei. Musste keine Acht auf Hygieneartikel nehmen. Ich musste eben nur die kleinen Pillen schlucken. Zumindest zur Anfangszeit gab es faktisch keine Nebenwirkungen. Die kamen dann erst später über die Jahre hinweg. Insgesamt war die Pille für die Zeit sehr vorteilhaft. Sie war günstig, einfach zu nehmen und zu bekommen und hatte eben keine Nebenwirkungen.

Vorteile der Pille

+ Günstig (der Betrag muss nicht auf einmal gezahlt werden)

+ Einfach in der Handhabung (keine Schmerzen bei Einnahme)

+ Kein Eingriff in die Gebärmutter

+ Wenn man sie verträgt, keine Nebenwirkungen.

+ Sicheres Verhütungsmittel, bei „richtiger“ Einnahme.

+ Kann Hautprobleme wie z.B. Akne verbessern.

+ Schwächere, teils kürzere Monatsblutung.

+ Regelschmerzen können gelindert werden.

+ Man kann die Blutung planen (super, wenn man auf Urlaub fährt)

 

Nachteile der Pille

– Man muss sie immer zur selben Zeit nehmen, da sonst die Wirkung nicht garantiert ist.

– Kann sehr viele Nebenwirkungen haben (Bauchschmerzen, Verstopfung, Stimmungsschwankungen, Lustlosigkeit, etc.)

– Bei Durchfall und Erbrechen kann die Wirkung ausgeschieden werden.

– Wenn man die Pille vergisst, ist die Wirkung nicht gegeben.

– Es kann zu Trombose oder Verengung der Blutgefäße (bei Rauchern) kommen.

Warum die Goldspirale?

Ursprünglich wollte ich nach Absetzen der Pille das Verhütungskettchen einsetzen lassen. Als ich dann allerdings an dem Tag beim Frauenarzt war, stellte sich noch beim Einsetzen heraus, dass das Kettchen nicht zu meiner Anatomie passt und somit nicht in meine Gebärmutter kann. Stattdessen bekam ich die Goldspirale, die ungefähr dieselbe Wirkung wie das Verhütungskettchen hat, allerdings nicht so elastisch wie die Kette ist. Die Goldspirale hält 5 Jahre und muss danach wieder erneuert werden. Währenddessen ist aber zu jeder Zeit die Wirkung gegeben. Also, wenn es mir mal übel ist uns zu erbrechen kommt, musst ich nicht Angst und Bange darum haben, dass der Schutz nicht gegeben ist.

Vorteile der Goldspirale

+ Man muss nicht an die Einnahme denken

+ Schutz jederzeit gegeben (auch bei Erbrechen oder Durchfall)

+ Der Schutz ist vor allem langfristig (theoretisch kann die Spirale „ewig“ in der Gebärmutter bleiben)

+ Der Körper wird nicht mit Hormonen belastet, somit keine hormonellen Nebenwirkungen

+ Natürlicher Zyklus, es wird nicht in den eigenen Hormonhaushalt eingegriffen

+ Keine Anwendungsfehler, weil der Arzt die Spirale einsetzt

Nachteile der Goldspirale

– Einsetzen mitunter sehr schmerzhaft

– Es kann nach dem Einsetzen zu Regelschmerzen kommen

– Man hat einen „fremden Gegenstand“ in der Gebärmutter

– Wenn man die Pille absetzt und dann auf die Goldspirale zurückgreift, kann es zu Pickeln, Haarausfall und schlaffem Bindegewebe kommen

– Die Goldspirale kann mitunter verrutschen

 

Was passierte nach Absetzen der Pille?

Ganz kurz nach dem Absetzen der Pille (ungefähr drei Monate), passierte – erstmal gar nichts. Meine Haut, blieb, wie sie war und auch sonst spürte ich kurzfristig keine Veränderungen. Kein Wunder. Der Körper musste fast zehn Jahre Hormone erst einmal verdauen und wieder abbauen. Doch nach und nach spürte ich eine Veränderung. Zuerst war es meine Haut, die sich meldete. Sie wurde schlechter und ich bekam Pickel im ganzen Gesicht und am Rücken. Das riss mich erstmal wieder auf den Boden der Tatsachen. Immerhin hatte ich meine gesamte Pubertät über nie Pickelprodukte nehmen müssen oder mir igendeine Creme ins Gesicht schmieren. Meine Haut war einfach immer schön gewesen, egal, was ich nahm, oder auch nicht nahm. Ein weiterer Nachteil war, dass mein Bindegewebe schwächer wurde. Zuvor hatte ich sehr starkes und festes Bindegewebe. Das änderte sich dann. Meine Haut wurde etwas fahler und schlaffer. Auch meine Mähne, die ich jahrelang immer so brav gepflegt hatte und die mir bis zur Mitte meines Rückens ging, verabschiedete sich allmählich. Und was soll ich sagen, sie ist bis heute auch nicht wirklich wieder gekommen. Die feine Haarstruktur, die ich von meinem Vater geerbt bekommen habe, hat sich ihren Weg gebahnt und ist geblieben. Ist wohl schön da oben, auf meinem Kopf. Natürlich spürte ich auch zum ersten Mal die Auswirkungen von PMS. Das bedeutet, dass ich ungefähr im 5 Monat nach Absetzen der Pille abrupt zu heulen begann und in der Küche kniend und mich hammermäßigen Bauchschmerzen gesessen bin. Das waren weitere Nebenwirkungen. Als ich zum ersten Mal Regelkrämpfe bekommen hatte, ging ich erstmal zum Arzt. Ich konnte damit nichts anfangen. Alles tat mir weh. Ich befürchtete, meine Vagina und alles was da drinnen in meiner Gebärmutter war, würde sich nach außen stülpen. Ich lag in Embryonalstellung auf meinem Bett, schrie, verkrampfte. Der Frauenarzt gab mir Schmerzmittel und schickte mich wieder nach Hause. Heute kann ich damit umgehen. Ich nehme regelmäßig Schafgarbentee zur Beruhigung und an Tagen, wo ich fit sein muss, eben Schmerzmittel.

Trotz der Nebenwirkungen die Spirale

Du magst dir jetzt denken: WTF?? Das alles nur, damit man hormonfrei leben kann? JA! Und ich würde es immer wieder tun. Denn: Ich habe eine Seite an mir kennengelernt, die mir sonst immer verborgen geblieben wäre. Ich habe mich Dinge getraut. Habe zum ersten Mal mit meinem Mann ernsthaft über meine Gefühle gesprochen. Ich spürte und spüre in jeglicher Hinsicht mehr. Der Sex ist geiler, das Essen schmackhafter. Immer noch kommen Momente, wo es mir wie Schuppen von den Augen fällt. Es ist dann immer so ein Gefühl, als würde ich vorher in einer Blase gesessen haben, die dann zuerst Löcher bekommt und dann ganz dahin ist. Ich nahm und nehme mich bis heute viel bewusster wahr. Heute spüre ich zum ersten Mal meinen Eisprung und meine fruchtbaren Tage. Seitdem erlebe ich Höhen und Tiefen. Aber das ist okay. Auch ich lerne immer noch dazu. Ich lerne immer besser, auf die – natürlichen – Signale meines Körpers zu hören. Wir arrangieren uns mittlerweile ganz gut. Um es kurz zu fassen: Seit dem Absetzen der Pille hat sich so vieles bei mir getan. Privat. Beruflich. Egal, was.

Und heute?

Heute weiß ich, was Hormone – trotz der vermeintlichen vielen Vorteile – eine Menge Nebenwirkungen haben, die nicht auf dem Packungszettel stehen. Oft stelle ich mir die Frage, wie ich mich in meiner Jugendzeit entwickelt hätte, wenn ich nicht die Pille genommen hätte. Ob ich dann anders geworden wäre. Selbstbewusster. Aber ich denke, dass sind Gedanken, die man sich im Nachhinein nicht stellen darf. Ich bin froh darüber, dass ich mit Mitte 20 diesen Schritt gewagt habe. Ich möchte nie wieder in dieser Blase leben und alles an mir vorbeiziehen lassen. Vielmehr möchte ich spüren. In mich gehen. Einfach so sein, wie ich heute bin. Natürlich habe ich immer noch Selbstzweifel und wenn ich auf Urlaub fahre muss ich diesen so planen, dass ich gerade dann nicht meine Tage habe (gerade bei Thermenurlauben). Aber das ist okay. Wenn ich meine Tage habe, möchte ich sowieso nichts und niemanden um mich herum haben. Und auch, wenn die Hautprobleme nach fast zwei Jahren immer noch da sind und ich täglich mit meinem Hautbild kämpfe, ist es okay. Es ist auch in Ordnung Regelkrämpfe zu haben. Denn sie – und das „Blut“, das ich von meinen wiederverwendbaren Binden herausspüle – erinnern mich daran, was mein Körper leistet. Und ich weiß, dass ich ich bin.

Anmerkung: Der Text spiegelt lediglich meine eigenen Erfahrungen wieder. Nur weil ich mit der Pille abgeschlossen habe, heißt das nicht, dass du das auch musst. Vielleicht überwiegen bei dir ja die Nebenwirkungen bei einer Spirale oder einem Kettchen? Vielleicht musst  du Hormone nehmen, weil dein Körper sonst nicht „einwandfrei“ funktioniert? Jeder muss letzten Endes immer für sich selbst entscheiden, was für ihn gut und richtig ist. Solange es dir damit gut geht, ist die Welt in Ordnung. 

Bussi, Bussi,

Sabrina

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